Dieser Essay dient einer kritischen Reflexion über die Mechanismen im Schachsport (PDF-Version). Zweiter Teil: Das Vereinswesen. Viel Vergnügen beim Lesen!

 

 

Wenn wir an das Schach-spiel denken, wie es durch ein spezifisches Regelwerk von anderen Spielen unterschieden ist, so stellt sich auch die basale Frage, was der Grund sein könnte, weshalb die Personen ihre Zeit in das Spiel investieren. Aus einer ökonomischen Perspektive heraus – und ich meine es wertfrei im Gegensatz zu einem Ökonomismus von Ökonomen - , ließe sich die Bedeutung des Schachspiels relativ einfach klären: Profitmaximierung.

Sei es nun in dem Aufbau von sozialen Beziehungen, in welchen man durch soziale Arbeit sich ein Beziehungsgeflecht strickt (Freunde, Bekannte, Gegner usw. erfordern Beziehungsarbeit), so dient die Ressource Zeit, welche man in das Schachspielen investiert, eben auch einem Gewinninteresse, das man sich durch die Beziehungen erhofft. EIn Gewinn von Beziehungsarbeit ist die Stabilität der Beziehungen selbst. Man lernt neue Menschen kennen, es bilden sich so genannte "Freundschaften fürs Leben", aber auch Bekanntschaften und höfliche Rivalitäten. Diese Form des sozialen Kapitals, welches man sich durch Beziehungsarbeit akkumuliert, dient auch einer Senkung von Transaktionskosten: Kann sein, dass die Kompetenz eines Schachfreundes in einer ganz anderen Situation nützlich sein kann und man dadurch die Stabilität der Bindungen für sich nutzt.

Der "Profit" oder "Gewinn" aus sozialer Arbeit lässt sich wohl auch ausdrücken als die Bestätigung der eigenen Position im anderen. Man ist nun etwas "Wert" für andere und erhält dadurch eine Nachfrage.

Was sind die Ausdrucksformen von Beziehungsarbeit? Angefangen bei losen Spielgemeinschaften zwischen zwei Personen, welche sich regelmäßig zum Schachspielen im Park oder in der Kneipe treffen, über der Organisation eines Schachvereins, der Integration erfordert - was die Freiheitsgrade seiner Mitglieder senkt, wodurch sie aber erheblich mehr Spiel- und Siegmöglichkeiten (Profite) erhalten können -, bis hin zu Verbänden; jedesmal ist abseits des Schachspiels eine organisatorische Kraft notwendig, die nicht möglich wäre, wenn man nicht die gleiche Sprache spricht, d.h. über das Schachspiel miteinander reden kann.

 

Comments   

+1 #3 Fjodor Schäfer 2011-07-04 19:06
Ein Wort noch zum Diskurs der Wahrheit, denn es kann auch sein, dass du mit "recht" sowas wie "richtig liegen" meintest.

In diesem Fall ist natürlich die Sprecherposition im Feld entscheidend, von wo aus jemand spricht.
Ein Neuankömmling in einem Verein sagt eben nicht die gleiche Wahrheit wie ein Veteran.
In eurem Fall - erster und zweiter Vorsitzender - liegen wohl beide richtig (gemeint ist: besitzen eine günstige Machtposition, um zu sagen, was fortan als "wahr" für den Verein gilt), können aber nicht die gleiche Wahrheit sprechen. Der eine hält etwas anderes richtiger als der andere.
Somit entsteht ein Kommunikationsproblem über die "Wahrheit des Vereins".

In so einem Fall denke ich immer an das, was sich überall in jeder gesellschaftlichen Formation bildet, nämlich: Selbstzensur.
Über bestimmte Dinge darf man einfach nicht sprechen, weil sie nicht "wahr" sind. Den Vereinstod zu prophezeien oder an ihm zu arbeiten ist schlichtweg ein Selbstwiderspruch. Es ist "falsch".
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0 #2 Fjodor Schäfer 2011-07-02 10:04
Ökonomisch ist nichts begründet, schon gar nicht taucht irgendwo das Wort "Recht" auf. Auch hatte dieser deskriptive Ansatz keinen Anlass, sondern war lange geplant.

Nur so viel zum Wort "Gerechtigkeit": A schuldet Gläubiger B etwas, z.B. dass A spielen soll. B muss eine künstliche Person sein (Verein also das Mit-Glied). A wäre im "Unrecht", wenn sie den vertraglichen Verbindlichkeiten nicht nachgeht. B wäre im "Unrecht", wenn sie Konditionen über den Vertrag hinaus fordert. A und B sind im "Recht", wenn die Bedingungen eingehalten werden.

Gebe ich z.B. dem Verein mein Wort, dass ich gegen Flintbek spielen werde und es dennoch nicht tue, bin ich ein Wort-(Vertrags-/Ver-)Brecher und habe Unrecht.

Für deinen Gerechtigkeits-Fall kenn ich die Verträge nicht.
Als Verein gesprochen ist jedes fehlende (Mit-)Glied "schlecht". Als Schachspieler sogar "gut". Insofern ist es wichtig, wer gerade spricht und sein Profit haben will.
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0 #1 Arno Kizina 2011-07-02 00:51
OK, also habe ich recht, Bernd und Reiner haben unrecht. Alles ökonomisch begründet. Mann, wär doch nicht so schwer gewesen, SF Burg öfter zu unterstützen. Egal, ich weiß, was ich tue.
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