Im ersten Teil, wo es um die Grundlegung einiger Begrifflichkeiten ging, wird der Verein als eine künstliche Person angesehen, die hauptsächlich dem Profitinteresse des Schachspielers und seiner Person dient. Die Mitgliedschaft in einem Verein ist verbunden mit einer Einschränkung von Freiheitsgraden - der Schachspieler spielt nicht nur für sich, sondern vor allem für den Verein, der ihm Vorteile in Aussicht stellt -, aber auch mit einer Multiplikation der Profitmöglichkeiten (Vereinsturniere, Spielabende usw.) und Kostensenkung, wie etwa, dass man externe Kompetenz aus dem Verein wahrnimmt (in Form des Trainings) und dadurch unnötigen Zeitverlust vermeiden kann.

 

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0 #3 Fjodor Schäfer 2012-06-09 13:44
Lieber Thomas,
nach fast einem Jahr, und nachdem ich mir die Kommentare und die Abhandlung noch einmal durchgelesen habe, muss ich sagen, dass ich heute vieles wohl hätte anders oder gar nicht formuliert. Die Sprache von damals ist mir schon sehr befremdlich. Das scheint ein ganz natürlicher Entwicklungs- oder Reifeprozess zu sein. Das Wort, das mir zu der Zeit fehlte, war das der Gelassenheit.
Ziele sind eigentlich völlig in Ordnung und gehören zum Fortschritt dazu. Die Forderung sollte dann sein, dass man gelassen bleibt und nicht an seinem (Schach-)Leben zerbricht, wenn sie unerfüllt bleiben. Ruhig Ziele im Schach setzen, aber auch gelassen bei ihrem Ausgang sein, das sorgt wohl für die gute Verdauung von Erlebnissen.

Naja, vielleicht sag ich in einem Jahr wieder etwas anderes. :)
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0 #2 Fjodor Schäfer 2011-07-09 11:06
Hallo Thomas,
"Visionen" ist ein gutes Stichwort. Ein gesunder Optimismus hat sicherlich seinen Antrieb, ich denke aber kaum, dass er es nötig hat, seine Stärke an der Materialität von Zielen festzumachen - vorausgesetzt, es sind Schulden, die anschließend dem Spieler einen Wert geben: Erreicht / nicht erreicht, so kritisiere ich zunächst einmal die Beharrlichkeit und den Wahnsinn dahinter, dass man meint, etwas würde im Vereinsleben fehlen.
So ist zu beobachten, dass es in letzter Zeit zu einer Schuldenkollision gekommen ist, wo plötzlich Ansprüche erhoben werden. Der eine will das, der andere das usw.
Meine These ist daher, dass ein starkes (man interpretiert es fälschlich als "zielstrebiges") Gemüt jede Überraschung verkraftet, auch, wenn ein paar harte Bisse zwischendurch nötig sind. Es sind dann eher seine Visionen, die aber vielmehr den Charakter einer Prophezeiung annehmen, an die er glaubt - aber nicht an die Pflicht, diese auch erfüllen zu müssen, sie zu bezahlen.
Wo du es mit der Jugend ansprichst. Die Zweckmäßigkeit einer Gründung, so denke ich, war daher vielmehr eine Notwendigkeit, die aus einer gesunden Einstellung zum Schach stammt. Diese Notwendigkeit reproduziert sich vielmehr selbst, ohne ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Was gesund ist, besitzt die Möglichkeit neues Leben zu schenken. Mit einem Kalkül hat es wenig zu tun, da sich eine Hoffnung bei zwei Spielern nicht gelohnt hätte.
Also schauen wir mal, wann die nächste Schwangerschaft los geht :)

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Der Text wurde um einen weiteren Abschnitt ergänzt.
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0 #1 Thomas Nonnenmacher 2011-07-09 09:36
Hallo Fjodor,
danke für Deine theoretische Abhandlung. Fand ich sehr interessant. Im 5. Teil bin ich zwar insgesamt auch Deiner Meinung. Was allerdings fehlt in meinen Augen, sind Visionen. Als ich mit dem Jugendtraining anfing, hatte ich zwei Jugendspieler, die regelmäßig erschienen. Die erste Vision war die einer Jugendmannschaft. In dieser Saison galt nicht der Aufstieg als Plan, sondern die Anstrengung aller Jugendspieler möglichst eine gute Saison zu spielen. Das bedeutete: Komplett und mit stärkster Mannschaft anzutreten, sich maximal anzustrengen, soweit möglich Vorbereitung auf den Gegner ... Auch ohne Aufstieg, wäre die Saison super erfolgreich gewesen. Und hier liegst Du richtig: Konkrete Plazierungen zu planen würde nur belasten ... Jugendarbeit ohne Visionen wäre allerdings auch unsinnig.
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